Machtkampf Laufsport

Konkurrenzdenken fördert die eigene Motivation. Doch während Teamsportler sich nicht alleine gegen andere Stellen müssen, stehen Einzelsportler immer häufiger vor dem Problem, sich nicht mehr nur vor sich selbst rechtfertigen zu müssen. Gerade auf den Laufbändern in großen Fitnesscentren steigt der Druck, mit dem Leistungsstandard der anderen mitzuhalten. Und auch im sportlichen Freundeskreis wird gerne mit der eigenen Leistung angegeben und die vermeintlich schwächeren Sportler ‚heruntergemacht‘.

Doch gerade das ist der Fehler. Beim Laufsport kann die Leistungsstärke nur schwer bis gar nicht mit der eines anderen verglichen werden. Schnelligkeit und Ausdauer sind abhängig vom eigenen Körper und eben dieser funktioniert bei jedem anders. Während der eine problemlos eine Stunde gemäßigten Dauerlaufs absolvieren kann, glänzt der andere bei kürzeren Sprints. Das hat oft gar nicht nur mit der bemängelten Häufigkeit der Trainings zu tun. Eine Steigerung der eigenen Leistung ist natürlich möglich, die körperlichen Grenzen sind jedoch bei jedem Sportler anders gesteckt.

Der Leistungsdruck ist natürlich vor allem bei Profis vorhanden. Und diese müssen sich leider immer häufiger mit der Kritik der Öffentlichkeit auseinandersetzen. Hierbei steht in der heutigen Zeit nicht mehr ausschließlich die Leistung des Sportlers im Vordergrund, auch sein Leben und vor allem seine Taten werden genau unter die Lupe genommen. Das durfte beispielsweise der Langstreckenläufer Moses Kipsiro aus Uganda am eigenen Leib erfahren: nachdem er den Skandal um einen ugandischen Trainer aufgedeckt hat, wurde er nun nicht zur Halbmarathon-Weltmeisterschaft 2014 zugelassen.

Ebenso hat auch der „fastest man on no legs“, Oscar Pistorius mit seinem Ruf zu kämpfen. Wurde er vorher auf Grund seiner unglaublichen Leistungen bei den paralympischen Spielen bewertet, wird mit ihm nun – vom Ausgang seines Prozesses unabhängig – immer ein Skandal verbunden. Seitdem nun nicht mehr nur Zeitung und TV von solchen Skandalen berichten, sondern auch das Internet seine Meinung dazu bildet, werden die Folgen immer fataler. Der Ruf im Netz wird für Top-Sportler immer wichtiger. Kein Wunder, denn hier hat auch der Laie Mitspracherecht.

Doch ob Profisportler oder privater Läufer, der Sport sollte immer im Vordergrund stehen und das Umfeld einen nicht beeinflussen.